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möchten wir Sie hier,

zum kurzen Innehalten einladen.

 

 

 

Spiegelmoment

Aschermittwoch war der Tag, an dem Gott vor der Tür stand.

Draußen lag Schneematsch, ein paar zerrupfte Luftschlangen kräuselten sich im Bordstein.     

Ich sagte: ,,Komm rein."

Wir gingen ins Wohnzimmer und setzten uns. Ich fragte, ob er Kaffee wollte.

Aber Gott lächelte nur und schüttelte den Kopf.

Als Kind hatte ich gelernt, dass Gott immer etwas will:

Liebe oder Gehorsam, ein reines Herz, und seine Gebote sollte man befolgen.

Später wollte Gott, dass ich die Welt rette, einen Obdachlosen aufnehme oder mit den Armen teile.

Manchmal hätte ich am liebsten geschrien: ,,Mein Gott, reicht es jetzt mal?"

Ich lernte, Gott ist unersättlich. Gott schläft nicht. Gott sieht alles.

Doch jetzt war alles anders.

Er sah sich um, in meiner Wohnung und in meinem Leben.

Dann holte er einen kleinen Spiegel hervor und stelle ihn auf den Tisch, so dass ich mein Gesicht sah.

       Ich sah die Sommersprossen, ausgeblichen vom Winter.

Ich sah die Narbe am Kinn von dem Fahrradsturz auf dem Schulweg. Ich sah meine Ängste, meine Hilflosigkeit, meinen Zorn.

       Ich sah den Neid und die hässlichen Gedanken.

Ich sah meine Sehnsucht. Ich sah mich ungeschminkt. Und dennoch fühlte ich mich aufgehoben.

Vielleicht war es sein Blick, der so ruhig und wohlwollend war.

Es lag kein Vorwurf darin, keine Missbilligung, auch keine Forderung.

Es fühlte sich warm an, wirklich warm.

Als er ging, strich er mir über die Stirn, so als wolle er sagen: ist schon gut.

Ich hätte ihn gern festgehalten, tat es aber nicht.

Etwas in mir wusste:  Er wird wiederkommen.                                   Susanne Niemeyer

        

                                                                                                                               Foto   Sabine Redszus

 

Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.

Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg.

Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen

auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.

Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!

Mt 13,24-30

 

                                                                                                               Fotos - W. Hentschel

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